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Eine Hypnotherapeutin packt aus: 10 Dinge, die ich an meinem Beruf hasse

Mädchen streckt Zunge heraus: 10 Dinge, die ich an meinem Beruf als Hypnotherapeutin hasse

 

Hypnotherapeutin zu sein ist für mich mehr als ein Beruf. Es ist Berufung. Genau das, was ich am besten kann. Meine gedankliche Heimat. Hypnotherapeut zu sein bringt mir Freude. Ich kann mit Leichtigkeit arbeiten. Ich darf all meine Kreativität einbringen. Nach Feierabend fühle ich mich geistig frisch. Ich liebe meinen Beruf.

 

Es scheint aber nicht 24 Stunden am Tag die Sonne und ständig rosa Wölkchen am Himmel zu haben wäre ja doch zu kitschig. Deshalb wird es Zeit für Klartext. Es gibt ein paar Dinge, die mich an  meinem Job nerven. Die mich regelmäßig auf die Palme bringen. Hier sind sie – schonungslos ehrlich!

1. Ich hasse es, mit Hexen und Wahrsagern in eine Ecke gestellt zu werden

Hypnose hat nichts mit Wahrsagen zu tun

 

Meine Praxis liegt im Kurgebiet von Bad Griesbach -  sehr zentral neben einer Eisdiele. Viele Menschen kommen daran vorbei und lesen die Beschriftung in meinem Fenster. Und während sie ihr Eis essen, kann ich, wenn meine Tür geöffnet ist und ich auf den nächsten Klienten warte, ihre Kommentare hören. „Aha, Hypnose…So ein Humbug“ Oder aber auch mit süffisant nach oben gezogenem Mundwinkel und gerümpfter Nase: „Na ja, wer´s glaubt…“

 

Natürlich gibt es auch andere Äußerungen. Aber es ist nunmal - gerade bei mir im ländlichen Bereich – so, dass die landläufige Idee von Hypnose ist, dass da eine etwas ältliche Dame in wallendem Gewand vor ihrer Kristallkugel sitzt und mit einem Hex-Hex alle Probleme wegzaubert. Hypnose gilt häufig als gruselig. Als geheime Praktik. Als unseriös.

 

Mit neugierigen Augen wird in meine Praxis gelugt. Und dann sind die Menschen enttäuscht, wenn es eher aussieht wie im gemütlichen Wohnzimmer als im Zelt der Wahrsagerin.

 

Leider ist dieser Stempel „unseriös“ aber nicht nur etwas, was vorbeiziehende, uninformierte Menschen dem Berufsstand aufdrücken, sondern durchaus auch einige Ärzte. Da gilt Therapie erst etwas, wenn sie mindestens von einem psychologischen Psychotherapeuten, besser aber einem fachärztlichen psychiatrischen Kollegen ausgeführt wird. Der Umstand, dass man –wie ich – Hypnose nicht nur an einem Wochenende im Vorbeigehen gelernt hat – sondern 9 Semester Psychologie studiert hat und ein hübsches Diplom an die Wand hängen kann – zählt natürlich nicht.

 

Also habe ich damit aufgehört, mich zu erklären. Ich kann nur sagen: wer sich informieren will, der erkennt die Wahrheit. Um den Rest ist es nicht schade.

2. Ich hasse es, dass Krankenkassen Hypnose nicht voll bezahlen

Krankenkassen, Zusatzversicherungen oder die Beihilfe bezahlen Hypnose als solches nicht. Nur im Rahmen der so genannten „Richtlinienverfahren“ Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Psychoanalyse und Systemik werden die Kosten übernommen. 

 

Manche Kassen bezuschussen jedoch Heilpraktiker (Psychotherapie)-Leistungen. Dabei hat Hypnose eine eigene Abrechnungsziffer. Man denkt, ein kleiner Lichtblick. Jedoch ist meist die Höhe des Zuschusses auf 300 Euro im Jahr begrenzt. Das bedeutet je nach angewandter Abrechnungsziffer circa sieben Stunden Hypnose pro Jahr. Also 0,6 Sitzungen pro Monat um das mal so deutlich zu sagen. Und dann steht ein Klient vor Dir mit einer 20jährigen Krankheitsgeschichte, der schon alles an Therapie ausprobiert hat und zu Dir sagt: „Sie sind meine letzte Hoffnung.“

 

Versteh mich nicht falsch: Menschen haben für viele unnötige Dinge Geld und investieren oft sehr wenig in ihre Gesundheit. Aber es kann nicht sein, dass jemand, dem die ressourcevolle, bildhafte, schonende Arbeitsweise mit Hypnose einfach besser liegt als die schematische, kognitiv betonte Verhaltenstherapie, den eigenen Geldbeutel zücken muss.

 

Andererseits bin ich dann auch wieder froh darum, mit Selbstzahlern zu arbeiten. Denn sie sind in den meisten Fällen motiviert. Sitzen nicht nur 30 genehmigte Sitzungen ab. Und ich kann zum Wohl der Klienten genau so arbeiten wie ich es für richtig halte. Und ich kann mich die volle Zeit dem Klienten widmen – ohne den Papierkram über die Person stellen zu müssen. 

3. Ich hasse es, dass von einer Verhaltenstherapie klar ist, dass sie 30 Sitzungen dauert: Hypnose muss aber nach dem 1. Mal heilen

Erwartungen der Klienten an Hypnose

 

Wenn Klienten eine Verhaltenstherapie in Anspruch nehmen, ist klar, dass das mehrere Monate dauert. Bei der Psychoanalyse und der Tiefenpsychologie oft Jahre. Es gibt ja auch den Satz: Das Problem weg zu bekommen dauert ungefähr so lange wie es Bestand hatte. Sprich: Zwei Jahre Panikattacken, zwei Jahre Therapie.

 

Aber wenn es um Hypnose geht, ist die Erwartung der Klienten eine Andere.

 

Da sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen, wenn ich erkläre, dass es mehr als eine Sitzung benötigt, um Probleme zu lösen. Woher kommt die Idee, dass tief verwurzelte Ängste, die bis in die Kindheit zurück reichen, sich einfach so in Luft auflösen können, nur weil es einem suggeriert wird?

 

Natürlich gibt es diese fast an Wunderheilung grenzenden sehr schnellen Veränderungen, die vor allem bei sehr suggestiblen Klienten auftreten. Ich habe schon Menschen gesehen, die mit Unterarmgehstützen und Knieschmerzen zur Praxistür herein kamen und aufrecht-schmerzfrei hinaus gingen und die Krücken vergessen hatten. Ich habe auch schon Menschen gesehen, die ihre Spinnenphobie in 1 bis 2 Sitzungen dauerhaft los wurden.

 

Aber ich kenne kein Kindheitstrauma, keine Posttraumatische Belastungsstörung, keine Abhängigkeitserkrankung und auch keine Depression, die in einer Sitzung „geheilt“ war.

 

Die Erwartung an den Hypnotherapeuten ist häufig, dass man selbst als Klient nichts tun muss, weil die Macht des Therapeuten oder die Macht der Hypnose heilt. Ich halte es da eher mit Milton Erickson und behaupte, alles, was jemand zur Lösung seines Problems braucht, liegt in der Person selbst. Und es benötigt Zeit, diese Fähigkeiten zu entdecken, Widerstände im Innen und Außen zu umschiffen und die Fähigkeiten auch im realen Leben zu erproben.

 

Allerdings bin ich durchaus ein Verfechter von Kurzzeittherapie mit acht bis zehn Sitzungen. Häufig bedarf es eines initialen Anstoßes und den Rest schaffen die Klienten alleine. 

4. Ich hasse es, dass immer noch so viele Angst vor Hypnose haben

Angst vor Hypnose

 

Fast täglich begegnen mir Fragen wie „Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache? Was ist wenn ich Dinge ausplaudere, über die ich nicht sprechen möchte?“ oder aber solche Aussagen wie „Ich möchte nicht willenlos sein“.

 

Wenn wir einen Blick in die Anfänge der Hypnose werfen und Menschen wie Franz Anton Mesmer, James Braid oder auch Sigmund Freud betrachten, dann wird schnell klar woher die Vorurteile gegenüber der Hypnose kommen. Große Heiler und Ärzte ihrer Zeit. Autoritätspersonen. Der Zustand der Hypnose wurde vor allem dadurch befördert, dass diese Männer selbst mit den Patienten arbeiteten. Es erfolgte eine Behandlung, die passiv entgegengenommen wurde und häufig mit Abreaktionen einherging, die ein bisschen aussahen wie Teufelsaustreibungen.

 

Die Angst vor dem Hypnotiseur als allmächtigen Manipulator wird durch Showhypnose und den ein oder anderen Kollegen, der sein Image als autoritäter Magier kultiviert, geschürt. Durch scheinbar reine Willenskraft eines Bühnenhypnotiseurs fallen Menschen um oder benehmen sich völlig schambefreit.

 

Ich mag es nicht, jedes Mal erklären zu müssen, dass ich quasi „harmlos“ bin, keinen Anschlag auf Moral und Wertesystem beziehungsweise Integrität vorhabe und es nicht mein Job ist, Menschen emotional um jeden Preis zum Zerfließen zu bringen. Aber natürlich kläre ich immer wieder geduldig auf, was Hypnose ist und vor allem, was nicht. 

5. Ich hasse es, dass erwartet wird, dass man „komplett weggeschossen“ werden muss, damit es Hypnose war

Obwohl es so viele skeptische Menschen gibt, die Ängste davor haben, die Kontrolle abzugeben und sich vielleicht sogar an nichts mehr zu erinnern, was in der Sitzung war, ist es bei vielen der größte Wunsch. Oder noch viel schlimmer: ein Qualitätsmerkmal einer Hypnosesitzung.

 

Wenn man nicht „richtig tief“ war, ist es keine Hypnose. Und wenn man nicht sabbernd auf dem Sessel saß und mit einer retrograden Amnesie zurück kommt, hat die Hypnose keinen Effekt.

 

Meiner zehnjährigen Erfahrung nach, spielt Hypnosetiefe bei weitem nicht die Rolle, die ihr zugemessen wird. Mit extrem tiefen, absichtlich so induzierten Zuständen, arbeite ich höchst selten und nur bei bestimmten Erscheinungsbildern. Zum Beispiel bei chronischem Schmerz oder Burnout. Ansonsten ist sehr tiefe Trance oft sogar hinderlich. Denn sie ermöglicht es oft nicht mehr, Ideomotorik zu nutzen oder mit dem Klienten direkt zu kommunizieren. Nachdem ich zu einem hohen Prozentsatz nicht mit einem Suggestionsmodell arbeite, sondern interaktiv, benutze ich Hypnose-Induktionen, die leichte bis mittlere Trancen ermöglichen.

 

In vielen Fällen betone ich, dass das Unterbewusstsein des Klienten die heilsame Trancetiefe selbst bestimmen und einstellen kann.

 

Teil meines Erstgesprächs ist deshalb immer die Erklärung, wie sich Hypnose anfühlt und dass wirksame Trance eben nicht gleich „weggeschossen“ sein bedeutet. Das enttäuscht einige, manchmal so sehr, dass die therapeutische Beziehung darunter leidet. Ich möchte mich jedoch nicht auf dieses Spiel „Kannst du mich nicht endlich tiefer bringen“ einlassen. An dieser Stelle verweise ich dann auch gerne mal auf die autoritär arbeitenden Kollegen. 

6. Ich hasse den Papierkram

 

Ein Grund, warum ich nie kassenbezahlte Psychotherapeutin werden wollte, ist, dass ich nichts mehr hasse, als Papierkram zu erledigen. Natürlich braucht es Dokumentation. Natürlich braucht es Berichte. Aber es sollte niemals mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Zeit, die wir mit dem Klienten verbringen. Es sollte niemals im Vordergrund stehen. Und kein Gespräch sollte geführt werden, nur „damit man was schreiben kann“. Die Realität sieht leider oft anders aus. Krankenkasse, Rentenversicherung, Unfallversicherung, Arbeitsamt. Alle wollen Stellungnahmen und Bewertungen.

 

Jetzt habe ich es da als Hypnose-Therapeutin eh schon gut. Aber trotzdem braucht es, wenn ich mit jemandem arbeite, jede Menge Zettel, die dann in Akten verwahrt werden. Am aller Unsinnigsten ist für mich dabei die Aufklärungsvereinbarung. Ein Zettel, der sicherstellen soll, dass der Klient weiß, worauf er sich einlässt. Ein Zettel, der den Therapeuten schützen soll, weil damit unterschrieben wurde, dass der Klient ausdrücklich angegeben hat, dass keine Kontraindikationen gegen Hypnose vorliegen.

 

Damit wir uns richtig verstehen – dieses Formular ist Usus und ich benutze es in der Praxis mit jedem Klienten. Allerdings ist es für mich Ausdruck einer zunehmenden Bürokratisierung und „Versicherungsmentalität“, die aber nicht hält, was sie verspricht. Juristisch bietet sie wenig Schutz, falls wirklich etwas passiert. Sagen wir: ein Klient suizidiert sich oder eine Klientin verliert ihr Kind nach einer Raucherentwöhnungs-Hypnose. Vor der moralischen Mit-Verantwortung schützt kein Papier der Welt, mag es noch so unterschrieben sein. 

7. Ich hasse die Vorurteile gegenüber Hypnotherapeuten

Julia Georgi schreit: sie hasst die Vorurteile gegenüber Hypnotherapeuten

 

Wenn ich privat unterwegs bin und ich neue Menschen kennenlerne, begegnet mir oft folgendes Szenario.

 

Das Gegenüber stellt die Frage: „Und, was machst Du beruflich?“

Und ich antworte „Ich bin Psychologin.“

Der Fragende: „Oh, das ist bestimmt spannend.“

Und ich so: „Ja sehr, ich arbeite vor allem mit Hypnotherapie.“

 

Und jetzt kommts. Die Augenbrauen ziehen sich hoch, manchmal sogar begleitet von einem Schritt nach hinten: „Hypnoooose. Uuuh. Da muss ich ja jetzt aufpassen, was ich sage. Nicht, dass Du mich gleich durchschaust.“

 

Da reagiere ich dann meistens mit: „Keine Sorge, ich bin privat unterwegs. Da hätte ich ja viel zu tun, wenn ich den ganzen Tag Leute durchschauen müsste.“

Und dann kommt: „Nicht, dass Du mich gleich hier hypnotisierst.“

 

Wenn ich das Gefühl habe, es lohnt sich, erkläre ich in ein paar Sätzen, wie Hypnose funktioniert. Meistens sage ich dann aber nur: „Ne, hab heute mein Pendel vergessen.“

 

Vorurteil bestätigt. Alles abgefrühstückt. Schönen Tag noch. 

8. Ich hasse die ständige Aufforderung: los, jetzt hypnotisier mich doch mal

Als ich meine Hypnose-Ausbildung absolviert hatte, ging es ziemlich zügig los. Ständig wurde ich von Familie und Freunden gefragt, ob ich sie denn mal hypnotisieren könne. Nur so ein bisschen. Nur kurz. Sie würden ja eh glauben, dass das mit ihnen nicht ginge. Sie würden ja eh denken, dass ich das gar nicht könne. Sie wären der Überzeugung, Hypnose sei eigentlich Humbug.

 

Falls es Dir auch so geht, rate ich Dir, Dir ganz klar zu machen. Hypnose ist kein Spiel. Hypnose ist kein Wettkampf. Jemand, der nicht hypnotisiert werden möchte oder nur um zu beweisen, dass es nicht geht, ist kein geeigneter Klient für Dich. Schon gar nicht am Anfang Deiner Hypnose-Karriere, wo Du selbst noch so unsicher bist. Und meine alleroberste Prämisse ist: arbeite nie – also wirklich niemals und in keinem einzigen Ausnahmefall – mit Familienmitgliedern. Never ever. Das funktioniert einfach nicht, weil Du den Abstand der dazu notwendig ist, nicht besitzt. Auch wenn Du wirklich reflektiert bist. 

9. Ich hasse es, dass nach einer schlechten Erfahrung mit Hypnose die ganze Methode als Mist betrachtet wird

Klienten neigen in Bezug auf Hypnosetherapie dazu, sehr schnell die ganze Methode zu verteufeln, nur weil sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Es ist wie überall im Leben:

 

es gibt gute und schlechte Gärtner, gute und schlechte Bäcker, gute und schlechte Ingenieure. Und eben auch gute und schlechte Hypnotiseure/Therapeuten.

 

Oder aber die Person des Hypnotiseurs hat einfach nicht zum Klienten gepasst. Ohne Sympathie und grundlegendes Vertrauen läuft eben gar nichts. Vielleicht war die Praxis oder das Setting nicht richtig. Vielleicht hat der Klient sich nicht richtig verstanden gefühlt. Vielleicht hatte der Klient nicht das Gefühl, richtig in Hypnose zu sein. Vielleicht wurde die falsche Methode gewählt, die einfach nicht zum Klienten passte. Vielleicht lieferte die Sitzung nicht die Ergebnisse, die sich der Klient erhofft hatte.

 

Macht ein Klient ähnliche Erfahrungen, erlebt er häufig die komplette Methode als unpassend. Und verschließt sich selbst damit einen sanften, sehr effektiven Weg der Veränderung. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Offenheit gäbe für eine „zweite Chance“. Denn ich bin überzeugt, dass Hypnotherapie richtig angewandt für viele der entscheidende Veränderungs-Schlüssel sein kann.

10. Ich hasse es, dass immer der Therapeut schuld ist, wenn Heilung auf sich warten lässt

Jemand zeigt mit dem Finger auf mich: der Therapeut ist schuld, wenn Hypnose nicht funktioniert

 

Ich kann mit Erwartungsdruck gut umgehen. Am besten ist es, ihn sich gar nicht machen zu lassen, obwohl oft der Satz kommt: „Sie sind meine letzte Hoffnung.“.

 

Die meisten Klienten wollen wissen, wieviele Sitzungen sie einplanen müssen. Das ist nur zu verständlich, weil sie ja Selbstzahler sind. Meine ehrliche Antwort ist dann: nach meinem Erfahrungswert mit dem Thema xy plane ich in etwa z Sitzungen. Allerdings hängt es immer sehr stark davon ab, was im Laufe des Prozesses alles hochkommt. Denn um ehrlich zu sein, manchmal fängt man mit dem Thema Raucherentwöhnung an und landet mitten in einem Trauma.

 

Es gibt ja diese Bilderbuchprozesse. Klares Thema. Motivierter Klient, der sehr gut hypnotisierbar ist und offen, Dinge auszuprobieren. Perfekt funktionierende Therapeut-Klient-Beziehung. Wenige Sitzungen. Schneller Erfolg.  Und dann gibt es Prozesse die haken. Obwohl man sein Bestes gibt. Die Klienten werden ungeduldig. Dann wird man häufig als Therapeut zum Scheiterhaufen geführt – noch bevor einem der Prozess gemacht wurde.

 

Der Behandler ist schuld, weil er es nicht schafft, einen „tief genug“ in Hypnose zu bringen. Wahrscheinlich doch Ausbildung in der Lotterie gewonnen. Wie konnte man nur meinen, dass so etwas Kindisches wie die Vorstellung einer „weisen Gestalt“ das Problem lösen könnte. Und diese Fingerzeichen – alles nur Humbug, man hat doch eh selbst die Finger bewegt. Und diese Ursachensituation aus der Kindheit – das war ja wohl ein Witz. Als ob eine Angststörung deswegen entsteht, weil man als 2jähriger mal zwei Tage bei der Oma abgegeben wurde. Was der Therapeut da mit den Widerständen erzählt hat –  der will doch nur meine Kohle abzocken oder er ist unfähig, mein Problem zu lösen.

 

Ironie OFF.

 

Der Therapeut hat nicht die Aufgabe, das Problem des Klienten zu lösen. Stop. Geh noch einmal zurück und lies den Satz noch einmal. Der Therapeut KANN das Problem nicht für seinen Klienten lösen. Er kann jedoch MIT dem Klienten arbeiten, eine bestimmte Lösungsatmosphäre kreieren. Der „erfahrenere Klient“ sein. Ein Pfadfinder.

 

Wenn es kein befriedigendes Ergebnis gibt oder einfach keinen Fortschritt, dann ist es selbstverständlich Zeit für Supervision. Man sollte sich selbst hinterfragen: Reichen meine Fähigkeiten aus, mit dem Thema zu arbeiten?  Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Welches Bauchgefühl habe ich dem Klienten gegenüber?

 

Viel häufiger stocken Prozesse jedoch, weil Klienten Angst bekommen vor der eigenen Courage. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ gilt dann nicht mehr. Plötzlich öffnet sich da die Tür zu etwas Neuem. Unbekannten. Häufig müsste man, wenn man den angefangenen Weg beschreitet, auch Konsequenzen in Kauf nehmen. Welche, mit denen man vielleicht gar nicht gerechnet hat. Man müsste sich vielleicht trennen. Den Job kündigen. Eine andere Wohnung suchen. Und dafür sind viele Klienten einfach (noch) nicht bereit.

 

Und manchmal braucht es einfach auch Zeit. Zeit, um sich mit dem auseinanderzusetzen, was man wirklich will. Zeit, um Vertrauen zu fassen, damit man die wirklich gruseligen Erfahrungen bearbeiten kann. Und Zeit, um Zutrauen zur Hypnose als Methode zu finden.

 

Es gilt also: nur weil etwas nicht innerhalb von fünf Sitzungen gelöst ist, ist das nicht automatisch die Schuld des Therapeuten. Diesen Stiefel kannst Du einfach vor Deiner Tür stehen lassen – für den nächsten Nikolaus-Tag.


Lass uns Klartext sprechen: Was hasst Du an Deinem Beruf?


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