5 praktische Tipps aus der Selbstfürsorge Schatzkiste für Therapeuten und Coaches

Julia Georgi öffnet die Selbstfürsorge Schatzkiste für Therapeuten und Coaches

 

Ein Sonnenstrahl bringt den goldenen Inhalt der Kiste zum Glänzen. Münzen. Schmuck. Ein richtiger Schatz. Mühevoll zusammengetragen über viele Jahre. Aber Stopp: Jetzt kommt nicht gleich Blackbeard oder der Pirat Jack Sparrow alias Johnny Depp um die Ecke.

 

Die Selbstfürsorge Schatzkiste ist bis zum Rand gefüllt mit Tipps, die in 15 Jahren psychologisch-therapeutischer Praxis entstanden sind. Meist dadurch, dass ich selbst Fehler gemacht habe, die mich zeitweise zum Hamster im eigenen Praxis-Rad gemacht haben.

 

 

Lass uns einen Teil des Schatzes in Augenschein nehmen, damit Du erst gar nicht in ins Rad einsteigen musst. 

Inhalte dieses Blogartikels

Hirn durchlüften. Tipp 1: Mach zwischen den Kliententerminen kurz Pause

Frau macht Stopp-Geste zum Zeichen, dass zur Selbstfürsorge eine Pause nötig ist
Plane nach jedem Termin 15 Minuten Pause ein, bevor der nächste Klient vor der Tür steht

 

Anfangs hast Du vielleicht nur zwei, drei Klienten hintereinander. Da fällt Dir das nicht so sehr auf. Wenn aber Deine Praxis läuft, ist Dein Terminkalender voll. Ich hatte zum Teil zehn Klienten am Stück – im stündlichen Rhythmus. Und eine Therapiestunde dauerte 60 min. Sprich ich hatte keine Pause und keinen Zeitpuffer eingeplant.

 

Ich kam ins Rotieren, wenn eine Sitzung mal länger gedauert hat. Und die verlorene Zeit ließ sich auch nicht mehr hereinholen, im Gegenteil staute sich über den Tag gesehen auf.

 

Ich aß und trank zu wenig, weshalb ich häufig Kopfschmerzen hatte.

 

Auch wenn ich die Sitzung bereits morgens vorbereitet hatte: Mir fehlte die Zeit, mich nochmal mit dem Klienten zu verbinden, mich auf ihn einzustellen, mich in seine Welt einzudenken. Deshalb war der Einstieg in die Sitzung nicht so knackig und prägnant, wie er hätte sein können.

 

Ich hatte irgendwann das Gefühl, wie am Fließband zu arbeiten, was den Spaßfaktor für mich deutlich reduzierte.

 

Deshalb ist mein Tipp aus der Selbstfürsorge Schatzkiste an Dich: Plane 15 min Pause zwischen Deinen Terminen. Dann muss kein Klient warten, falls Du ein paar Minuten überziehst. Und es bleibt genügend Möglichkeit um einen Schluck zu trinken, zur Toilette zu gehen, Dich etwas zu bewegen und somit fit im Hirn in die neue Sitzung mit Deinem nächsten Klienten zu gehen. Auf diese Art und Weise fühle ich mich auch noch nach acht Stunden und mehr in meiner Praxis frisch und (meistens) voller Tatendrang.

Schütze Dich und den Klienten vor Frust. Tipp 2: Klare Ziele festlegen

Der nächste Tipp betrifft die Arbeit mit dem Klienten. Lege möglichst früh, am besten im Rahmen des Erstgesprächs, spätestens in der zweiten Sitzung, fest, was das Ziel der gemeinsamen Reise sein soll.

 

Tust Du es nicht oder nur halbherzig, kannst Du keinen Coaching- oder Therapieplan entwickeln. Du lässt Dich zu sehr von der Befindlichkeit in der aktuellen Sitzung mittragen, läufst Gefahr, das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Dazu kommt, dass es passieren kann, ein eigenes Ziel zu verfolgen, von dem Du denkst es könnte dem Klienten nützen. Das ist aber meist gar nicht das, was der Klient will. Häufig führt das zu Irritationen in der Arbeitsbeziehung und manchmal auch zum Abbruch der Zusammenarbeit. Das wiederum frustriert Dich und lässt Dich vielleicht sogar Deine Fähigkeiten in Frage stellen.

 

Mit dem Thema Zielklärung gehe ich meinen Klienten meist ziemlich auf die Nerven. Denn ich bin da sehr pingelig, frage häufig nach und bin erst zufrieden, wenn das Ergebnis in allen Einzelheiten vom Klienten abgenickt wird. Meist ist derjenige dann vom Ergebnis dieser Arbeit sehr berührt.

 

Wichtig für Dich als Coach/Therapeut ist, Dich nicht mit Aussagen wie „Ich will nicht mehr dem Konflikt mit meinem Chef aus dem Weg gehen indem ich kündige“ zufrieden zu geben. Was will der Klient stattdessen? Dann kommen sehr häufig als Antwort solche Allerweltsaussagen wie „Ich will mehr Selbstbewusstsein“. Ja, was heißt das konkret? Was kann derjenige dann?

 

Wichtig finde ich zudem, dass vereinbart wird, wann frühestens das aktuelle Befinden mit dem Zielzustand abgeglichen wird (NICHT nach einer Sitzung, sonst verleihe ich Dir die goldene Zauberkugel!). Sinnvoll ist auch, dass Du klärst, woran Du voraussichtlich sehen kannst, wann das Ziel erreicht ist. Du merkst schon, es braucht etwas Zeit, ordentliche Zielearbeit zu betreiben. Aber Du sorgst damit für Klarheit – von Anfang an.

Schluss mit Laufen im Hamsterrad. Tipp 3: Ziehe eine klare Grenze

Wieviele Klienten behandelst Du pro Tag? Was tust Du, wenn jemand nur Freitag Abend ab 19 Uhr oder Samstag einen Termin wahrnehmen kann?

 

Früher waren meine Grenzen sehr dehnbar. Aus der Notwendigkeit heraus, Geld mit meiner Praxis zu verdienen, habe ich auch späte Abendtermine möglich gemacht und an eigentlich freien Tagen gearbeitet. Immer vor meinem Urlaub quetschte ich noch einen Termin mehr in den heillos überfüllten Terminplan. Selbstfürsorge Fehlanzeige - Willkommen im Hamsterrad und in der Folge Willkommen auf dem direkten Weg ins Burnout.

 

Damit Du dort nicht landest, empfehle ich Dir im Vorhinein klare Arbeitszeiten zu definieren und auch unter Druck dabei zu bleiben.

 

Abgrenzung heißt aber für mich auch: Schaffe eine klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit/Familie. Nimm die Themen, die Dich beschäftigen, nicht mit nach Hause. Dazu empfiehlt es sich, ein festes Ritual einzubauen. Ich visualisiere zum Beispiel am Ende des Tages einen Rucksack, den ich ablege, wenn ich die Praxistür zusperre. Das geht mittlerweile innerhalb weniger Sekunden und ist sehr effektiv.

 

Julia Georgi mit Rucksack vor Bergkulisse
Den beruflichen Rucksack ablegen und frei für die Freizeit sein. Dieses Bild stelle ich mir immer in meinem Kopf vor.

 

Es kann aber auch ein Satz sein, den Du Dir am Ende des Arbeitstages sagst wie etwa „Obwohl ich das Gefühl habe, es gäbe noch viel zu tun, schließe ich den Tag jetzt ab und freue mich auf mein Kind/meinen Partner/meinen Hund/etc.“.

 

Vielleicht fällt Dir noch ein ganz anderes Ritual ein. Wirf Deinen kreativen Motor an und finde das, was Dir hilft Dich abzugrenzen. 

Reduziere den Druck. Tipp 4: Bleib in Bezug auf Deine Einnahmen realistisch und arbeite mit Freude

Der Supergau ist, wenn Dir die Arbeit als Coach oder Therapeut, für die Du gestern noch branntest, keinen Spaß mehr macht. Angst fressen Seele auf heißt es so schön. Und genau das ist es, was passiert, wenn Du von Beginn der Selbstständigkeit an die Latte zu hoch legst.

 

Eine schicke Praxis wird angemietet, die Einrichtung tip-top, die Versicherungen, Mitgliedsbeiträge in diversen Verbänden, weitere Fortbildungen: all das ist teuer und frisst ein riesiges Loch in Deine Kasse. Kein Problem, so lange Du in Deinem Kopf noch optimistisch mit acht Klienten pro Tag kalkulierst. Aber: wenn Du anfängst ist das nicht Deine Realität. Zwei Klienten die Woche trifft es für die meisten Anfänger wohl eher.

 

Deshalb hole ich folgenden Tipp aus meiner Selbstfürsorge Schatzkiste: Halte die Kosten am Anfang so gering wie möglich um den Druck verdienen zu müssen zu minimieren.

 

Beherzigst Du diesen Tipp, bist Du schon vor dem nächsten Fehler gefeit, den viele Anfänger begehen. Sie arbeiten um genug Geld zu verdienen mit jedem, der sich anmeldet. Egal, ob das Thema für einen passt oder nicht. Egal ob man Erfahrung mit dem Thema hat oder nicht. Egal ob der Klient sympathisch ist oder nicht. Auch, wenn das eigene Bauchgefühl ganz deutlich „Hilfe“ schreit.

 

Damit gefährdest Du Deinen Ruf, rutschst in eine Überforderung oder leidest vor jedem Termin an akuter Unlust.

 

Viel freier fühlt es sich an, von Anfang an zu überlegen, wofür Du stehst, welche Themen Dir liegen, wofür Du Expertenstatus erlangen willst – und wofür eben nicht. Und dann auszusortieren, welcher Klient zu Dir passt. Dann ist Arbeit auch Freude – und nicht "Zwangsarbeit".

Rat holen. Tipp 5: Nimm regelmäßige Supervisionstermine wahr

Julia Georgi mit prüfendem Blick
Bei meinen Supervisanden schaue und spüre ich genau hin, bringe meine 15jährige Praxiserfahrung ein und freue mich daran, zu sehen, wie sie wachsen - fachlich und persönlich

 

Diesen Tipp kann ich gar nicht oft genug wiederholen. Such Dir einen Supervisor mit viel praktischer Erfahrung, der Dir als Mensch sympathisch ist. Vereinbare regelmäßige Termine. Als ich damals mit meiner therapeutischen Tätigkeit startete, hatte ich alle zwei Wochen Einzel-Supervision, später dann einmal pro Monat. Auch jetzt noch finde ich es ein wichtiges Merkmal von qualitativ hochwertiger Arbeit.

 

Keine Sorge: Supervision dient nicht der Kontrolle Deiner Arbeit oder dem Zweck, Dich zu kritisieren.

 

Lass Dich in der Arbeit mit Deinen Fällen begleiten. Hol Dir kreative Anregungen für Deine Tätigkeit. Lass Dich von der Erfahrung des Supervisors leiten, wenn es mal nicht ideal läuft. Bemerke dadurch auch, dass eigene Themen in das Coaching/die Therapie mit einfließen, die da nicht hingehören.

 

Du gewinnst durch Supervision an fachlicher Sicherheit. Du wirst Dein Repertoire an Techniken erweitern. Es wird Dir leichter fallen, Deinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Du kannst dadurch der bestmögliche Coach/Therapeut für Deinen Klienten sein. Und was wie nebenbei passiert: Du wächst als Fachperson, aber auch als Mensch und als Unternehmer. 

 

Du interessierst Dich für Fachsupervision?

Schreib mir gerne unter die-hypnose-praxis@web.de und lass uns ein persönliches Kennenlernen per Zoom/Telefon/vor Ort vereinbaren.

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